Durch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ wird die Öffentlichkeit verstärkt mit dem Thema Pestizide (Pflanzenschutzmittel) konfrontiert. Das Volksbegehren zielt auf das Land Baden-Württemberg ab und will eine Änderung des Naturschutz-und Landwirtschaftgesetzes in Baden-Württemberg erreichen. Für die CDU Dossenheim stellt sich die Frage, wie sich das auf kommunaler Ebene auswirkt und inwieweit es Dossenheim konkret betrifft.

In unserer Gemeinde wird auf circa 400ha landwirtschaftliche, bzw. gärtnerische Produktion betrieben, meist konventionell, d.h. im Produktionsweg werden Pflanzenschutzmittel wie Herbizide, Fungizide und Insektizide verwendet. Ziel des Volksbegehrens ist es, die Menge der Pestizide bis 2025 zu halbieren und auf landeseigenen Flächen, eine Landbewirtschaftung ohne Herbizide, Fungizide und Insektizide durch zu setzen. In Dossenheim konsumieren aber gleichzeitig zwölfeinhalbtausend Menschen täglich ebenfalls meist konventionelle erzeugte Nahrungsmittel, d.h. Nahrungsmittel bei deren Produktion ebenfalls Pestizide verwendet wurden. Die Tatsache, dass durch den weltweiten Import von Lebensmitteln nach Baden-Württemberg und damit auch nach Dossenheim, bewerkstelligt durch die großen Discountlebensmittelhändler, ebenfalls große Pestizidbelastungen verursacht werden, berücksichtigt diese Initiative nicht. Die CDU Dossenheim ist der Meinung, dass der Verbraucher genauso verantwortlich ist für die Produkte die er konsumiert, wie der Produzent von Nahrungsmitteln für seine erzeugte Ware. In Deutschland liegt der Anteil konventionell erzeugter Nahrungsmittel bei über 90% der konsumierten Ware, der Anteil an Bioware (Ware, die ohne Pestizide und Kunstdünger erzeugt wird,) verharrt nach wie vor deutlich unter 10%, obwohl ausreichend Bioware angeboten wird. Warum ist dies so? Offensichtlich ist der Verbraucher nicht bereit, mehr als 10% seines Einkommens für Nahrungsmittel auszugeben und ist gleichzeitig an einem vielfältigen, facettenreichen Angebot interessiert. Wenn man so will, hat der Konsument mit dem Einkaufswagen abgestimmt. Will man nun die Situation für die Umwelt in Sachen Nahrungsmittelproduktion verbessern, darf man nicht nur die Produktionsseite gesetzlich reglementieren, sonder man muss Gleiches auf der Konsum Seite tun, ansonsten wird bei dem inzwischen global organisierten Märkten das Problem nur ins Baden-Württembergische „Ausland“ verlagert. Das bedeutet, dass diese beabsichtigte Gesetzesänderung durchaus so etwas wie “ Umweltimperialismus“ befeuert. Man, d.h. auch wir zwölfeinhalbtausend Dossenheimer retten dann unsere eigenen Bienen aber schädigen die in den Ländern, die für uns Produktion betreiben und die in der Regel weniger strenge Produktionsauflagen haben, als die hiesige Landwirtschaft es hat. Um den Bedarf an Nahrungsmitteln in Deutschland zu decken, müssten die deutschen Landwirte inzwischen doppelt so viel Fläche bewirtschaften, als die ihnen zur Verfügung steht. Die Rettung der Bienen ist unbedingt nötig-das ist unstrittig. Aber wenn dieses Ziel tatsächlich oberste Priorität hat, müssen wir auch konsequent unser Konsumverhalten ändern. Zielführend wäre hier, für jede Stadt und Gemeinde eine „Konsum Pestizid Bilanz“ zu erstellt, ebenso, wie eine „Produktion Pestizid Bilanz“ für die landwirtschaftlichen Erzeuger. Von diesem Niveau ausgehend müssen beide Bilanzen gleichmäßig durch verbessertes Konsum-und Produktionsverhalten reduziert werden und nicht einseitig, wie durch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ im Moment vorgeschlagen wird. Klar definierte Umweltstandart- und Sozialstandards müssen mehr und mehr den allzu liberal gehandhabten, globalen Handel kontrollieren, nur so können wir Ausbeutung von Natur und Mensch verhindern und zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise finden.

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